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Berichte aus 2018

Es brennt bei unseren Feuerwehren
 

Sicherheit Rheinland-Pfalz hat seit 2007 etwa 10 000 aktive Ehrenamtliche verloren –

Der Landesverband schlägt Alarm

Drohender Mitgliederschwund, Nachwuchsmangel und klamme kommunale Kassen: Bei den Feuerwehren in Rheinland-Pfalz brennt es. Aber der Präsident des Landesfeuerwehrverbands (LFV), Frank Hachemer, will nicht nur alarmieren, sondern auch tatkräftig handeln. Mit einem Zukunftspapier sollen jetzt Initiativen starten, damit die Sicherheit auch im Dorf bleibt. Die ist in Gefahr: Seit 2007 hat Rheinland-Pfalz etwa 10 000 ehrenamtliche Wehrleute verloren. Wer löscht also in Zukunft, wenn es brennt? Wer räumt umgestürzte Bäume weg? Wer hilft bei gefährlichen Überschwemmungen?
Die Situation für die noch 51 000 Ehrenamtler spitzt sich schleichend, aber brandgefährlich zu. Deshalb wollen Hachemer und der Verband aufrütteln – die Feuerwehren selbst, die Gemeinden, aber auch die Landespolitik. Weil die Berufstätigen heute meist pendeln müssen und im ländlichen Raum oft nur noch wohnen, ist der Tageseinsatz längst zum Problem geworden. Noch überbrückt der sogenannte Rendezvous-Alarm größte Engpässe: Es wird im Notfall nicht nur eine Wehr alarmiert, sondern gleich drei und über Gemeindegrenzen hinaus. Deshalb ist die Lage derzeit noch sicher, sagt Hachemer im Gespräch mit unserer Zeitung. Er schiebt „das große Aber“ nach: Was ist in zehn Jahren, wenn die Mitgliederzahl tendenziell immer weiter sinkt? „Wir können nicht immer zehn Wehren gleichzeitig alarmieren. Das überfordert die Ehrenamtlichen, aber auch ihre Arbeitgeber.“
Um den Wehren selbst vor Ort den Ernst der Lage bewusst zu machen, schickt der Verband künftig Ehrenamtlotsen über Land. Einer ist derzeit bereits im Einsatz, zwölf weitere werden aktuell ausgebildet. Sie sollen mit den Wehren überlegen, wie sie Männer und Frauen für den gesellschaftlichen Dienst begeistern können – „notfalls auch mit Klinkenputzen für die Feuerwehr“. Vielleicht müsse man auch am eigenen Image arbeiten, meint Hachemer nachdenklich: „Bundesweit gehören den Wehren nur 7 Prozent Frauen an“, bedauert er. Die Feuerwehr hat zu oft noch das Image des „Männervereins“. Dass aber den mehr als 200 Bambini-Feuerwehren („im Land ein Erfolgsmodell“) viele Mädchen angehören, ist für ihn ein Hoffnungsschimmer. Aber noch gibt es kaum Daten darüber, wie viele von ihnen in der Jugendwehr und darüber hinaus bei der Stange bleiben.
Deshalb rät der Verband auch dazu, eine neue Regelung im Landesbrandschutzgesetz zu nutzen: Danach ist es möglich, dass Feuerwehrleute nicht mehr schlagartig mit 63 Jahren aus
dem aktiven Dienst ausscheiden, sondern die Wehr länger unterstützen. Darin sieht Hachemer ein großes Potenzial. Dann könnte man vor allem tagsüber auf rüstige und erfahrene Brandexperten zugreifen.
Der Verband mit seinem Sitz in Koblenz will aber auch die Bürgermeister der Verbandsgemeinden, die qua Amt Chef ihrer Feuerwehren sind, gezielt auffordern, sich für das Ehrenamt einzusetzen – auch mit dem Seminar „Du und Deine Feuerwehr“ in der Kommunalakademie in Boppard. Die Veranstaltung will vor allem denen, die neu im Amt sind, deutlich vor Augen führen, wie wichtig es ist, dass die Feuerwehr an der Schnittstelle von bürgerschaftlichem Engagement und staatlichem Handeln im Dorf bleibt, wenn sich selbst schon die Kirchen mit der Bistumsreform aus der Fläche zurückziehen, erläutert der LFV-Präsident. Die neue Broschüre fordert die Gemeinden auch auf, über bestimmte Anreize für Feuerwehrleute nachzudenken. Die Vorschläge reichen von einer Grundsteuerermäßigung, freiem Parken auf gemeindeeigenen Plätzen, günstigem Wohnraum oder Bauplätzen in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses bis zum freien Eintritt im Schwimmbad. Zudem hat Hachemer, auch Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, in Berlin festgestellt, dass seine Uniform in öffentlichen Bussen und Bahnen durchaus befriedend wirkt. Deshalb wirbt er auch in Rheinland-Pfalz dafür, dass Angehörige der Feuerwehr mit Uniform oder dem Vorzeigen ihres Dienstausweises den öffentlichen Nahverkehr gratis nutzen können, um die Präsenz der Wehren in der Gesellschaft wieder zu stärken.
Zu den Anliegen des Verbands gehört es auch, dass alle Verbandsgemeinden regelmäßig einen Feuerwehrbedarfsplan aufstellen. Wenn dies – wie in Montabaur – geschehe, dann sei dies immer noch die löbliche Ausnahme, meint Hachemer und sieht deshalb eventuell den Gesetzgeber gefordert.
Überhaupt hofft er, dass die Landespolitik die Feuerwehren beim Werben um ihre wichtige gesellschaftliche Aufgabe nicht allein lässt. Da sieht Hachemer nicht nur das für Katastrophenschutz zuständige Innenministerium gefordert, sondern auch das Wirtschaftsressort. Es könne verstärkt die Arbeitgeber dafür sensibilisieren, dass die ehrenamtlichen Feuerwehren nicht nur mit Anschaffungen ein Wirtschaftsfaktor sind, sondern im Notfall ja auch Betriebe schützen. Dafür müssten Mitarbeiter aber auch ohne Nachteile freigestellt werden. Für das gesellschaftliche Problem, dass sich immer weniger Bürger in der Feuerwehr engagieren, „gibt es nicht die eine goldene Lösung“, meint der LFV-Präsident. Deshalb will der Verband an vielen Fronten aufklärenden Brandschutz betreiben.

Ursula Samary

 

„Wird eine Wehr aufgelöst, dann kommt sie nie wieder.“

 

Verbandspräsident Frank Hachemer

 

Kommentar:

Warum der Verband Fusionen kritisch bewertet
Die Verbandsgemeinde Montabaur ist ein Beispiel: Wegen Nachwuchsmangel musste sich die Wehr in Eschelbach auflösen. Gleichzeitig wird aus finanziellen Gründen auch über Fusionen diskutiert – etwa weil ein neues Fahrzeug nicht mehr in das alte Gerätehaus passt und in der Nachbarschaft ohnehin ein neues gebaut wird. Fusionen sieht der Landesverband kritisch: „Ist eine Wehr aufgelöst, kommt sie nicht wieder zurück.“ Positiv bewertet er dagegen die Pläne für eine gemeinsame Werkstatt in Bad Ems/Nassau, weil die Ehrenamtliche entlasten kann.

https://www.kfv-bir.de/go/cms/media/crossline_rw.jpg

Manfred Ruch zur Situation der Feuerwehren im Land

Tut bitte mehr für die Jugendwehr!

Ein Stoßgebet an St. Florian hilft längst nicht mehr: Unsere freiwilligen Feuerwehren sind selbst in Not und brauchen mehr als einen Schutzpatron, damit sie auch künftig ihre lebenswichtigen Dienste für die Allgemeinheit verrichten können. Dabei sehen sich die ehrenamtlichen Wehrführer und Löschzüge gleich doppelt gefordert: Einerseits fehlt den Kommunen häufig das nötige Geld, um Ausrüstung und Gerätehaus auf einem aktuellen Stand zu halten. Andererseits wird es immer schwieriger, die Reihen der Wehrleute zu füllen und die wachsende Zahl an Einsätzen zu bewältigen.
In Sachen Geld wird es immer wichtiger, nach Synergien zu suchen. Gerade bei der Ausrüstung tut mehr interkommunale Zusammenarbeit not. Nicht jede Feuerwehr kann sich ihre eigene große Drehleiter leisten. Auch die kreisweite Feuerwehrwerkstatt kann sinnvolles Sparmodell sein. Aber woher soll der fehlende Nachwuchs kommen? Wie kann man jungen Leuten und vor allem auch mehr Frauen den freiwilligen Dienst in der Feuerwehr schmackhafter machen? Es gibt dazu viele gute Vorschläge. Vergünstigungen für Wehrleute gehören zweifellos dazu. Außerdem müssen Arbeitgeber überzeugt werden, dass sie sich bei der Freistellung von Mitarbeitern für den Feuerwehreinsatz nicht querstellen. Merke: Auch der eigene Betrieb kann mal brennen.
Zusätzlich aber muss die Feuerwehr dafür sorgen, dass sie für ihren Nachwuchs ein attraktives Bild abgibt. Dazu zählt nicht zuletzt eine moderne Jugendarbeit. Doch in diesem
Punkt hält es die Landespolitik lieber mit den berühmten Sonntagsreden. Landtagsabgeordnete und Ministerielle singen bei Feuerwehrfesten gern ein Loblied auf den Nachwuchs, doch bei den Kosten fürs neue Feuerwehrgerätehaus werden Gruppenräume für die Jugendwehr vom Land nicht als förderungsfähig anerkannt.
Kein gutes Signal an alle Wehrleute, die sich in der Jugendarbeit engagieren. Hier sollte das Land bei den Förderrichtlinien nachlegen – damit auch morgen noch jemand kommt, wenn's brennt.
E-Mail:
manfred.ruch@rhein-zeitung.net

vom 06.04.2018

 

 

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